Das Web bringt mich manchmal zum Kotzen

Wir haben heute unsere Nebenkostenabrechnung für 2009 erhalten. Natürlich eine Riesen-Nachzahlung für den Versuch, unsere saukalte Schimmelbude in der Google-Pixelzone halbwegs warm zu kriegen.

Nicht das Einzige, das ich heute lesen musste und mich seufzen lässt – hier meine Top 5 (BTW, einige URL sind absichtlich nicht verlinkt) Internet-Frustmomente des Tages:

1. Der kümmerliche Versuch einer Preissuchmaschine die keine Sau nutzt, per “wir-sind-ja-so-Web-2-punkt-null”-Pseudo-Charity Unique content und Linkbuilding für lau zu kriegen:

http://www.preis.de/news/preis-de-weihnachtsaktion-jeder-kann-helfen/

2. Die Grünen fallen wieder einmal um:

http://twitter.com/gruenenrw/status/9305356467445760

Update: Doch ein Link dazu – Parlamentarische Zwänge und der Versuch, das Ganze mit weniger Polemik und mehr Sachlichkeit zu betrachten. Was nichts daran ändert, dass die Grünen in meinen Augen nicht weniger opportunistisch und machtgeil sind als andere Parteien (was wir in Hamburg ohnehin schon seit der letzten Wahl live erleben durften).

3. Die Grünen beweisen einmal mehr, dass sie zumindest in Sachen Glaubwürdigkeit zu den großen Parteien aufgeschlossen haben

4. Heiner Geißler ist für eine Fortsetzung von „Stuttgart 21“

Überraschung![/Ironie off]

5. Star Wars-Regisseur Irvin Kershner ist gestorben

Wie wir alle wissen, gibt es 3 Star Wars Filme und 3 Kinder-Sci-Fi-Geschichten, die im Star Wars Universum spielen. Episode V war der Beste.

Ich verlinke stellvertretend für viele Posts auf Moviepilot mit dem allgemeingültigen Hinweis: erst denken, dann “Like”-Button platzieren…


Wiki-Gähn oder Tratsch auf hohem Niveau

Jetzt ist sie also da, die dritte große Wikileaks-Enthüllungs-Story. Nach der kargen Felslandschaft Afghanistans und den IED-gepflasterten Wüstenpisten des Irak widmen sich der SPIEGEL und andere ausgewählte internationale Medien seit vergangenem Sonntag einem weiteren heiklen Kampfschauplatz: dem blankpoliertem Parkett der internationalen Diplomatie.

Es ist ein Desaster für die US-Diplomatie. WikiLeaks hat mehr als 250.000 Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium zugespielt bekommen, interne Botschaftsberichte aus aller Welt. Sie enthüllen, wie die Supermacht die Welt wirklich sieht[...]

schreibt SPON, aber ehrlich gesagt habe ich noch nichts gelesen, was nicht ohnehin täglich an jedem zweiten Stammtisch in der Republik in der selben Tonart festgestellt wird.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel scheut nach Ansicht der US-Vertreter das Risiko? Damit stehen sie nicht alleine da:

Ob die US-Vertreter einfach heimlich vom SPIEGEL abgeschrieben haben?

Ist wirklich jemand überrascht, dass Auslandsvertreter Ihre Bewertung abseits der offiziellen Anlässe ungeschminkt weitergeben und Klartext reden? Ob Firmen-Meeting, Familientreffen oder eben diplomatischer Empfang: da wird Einvernehmen demonstriert, gelächelt und zugeprostet, werden Hände geschüttelt und Schultern geklopft – doch kaum wieder im eigenen Büro oder zu Hause angekommen, wird kräftig über die anderen abgelästert.

Abgesehen davon: ich schätze, dass es in deutschen Diplomatenkreisen ähnliche Dossiers über andererLänder und ausländische Politiker geben wird. Ein Kommentar auf SPON dazu:

Da wurden unvollständige Stakeholderanalysen (also Teile davon) veröffentlicht – schlecht. Ich wäre erschüttert, wenn die Bundesregierung ohne Stakeholderanalysen ihre Politik betreiben würde und sie tut es nicht.

Jeder, der einigermassen Verantwortung hat macht Stakeholderanalysen und ja, solche Beschreibungen sind dort nicht unüblich. Ich will ja mein Gegenüber beschreiben und greifbar machen, da gehört nicht nur das Netzwerk dazu, dass eine Person hat. Bei den Beschreibungen kommt es zudem nicht auf die “political correctness” an, sondern auf einfach treffende Beschreibungen. Denn wer möchte schon 20 A4 Seiten zu einer Person lesen. Dass muss flott gehen.

Für Wikileaks ist diese Balz mit “klassischen” Medien in meinen Augen gefährlicher als sämtliche Drohungen der US-Regierung mit juristischen Schritten. Denn wenn die Aufbereitung und Verbreitung von Inhalten einer Non-Profit-Organisation in die Hände von Medienunternehmen gelegt wird, die ihren “Enthüllungsjournalismus” längst nach wirschaftlichen Gesichtspunkten betreiben, kann das nur der eigenen Glaubwürdigkeit schaden. Mit Neutralität und Unparteilichkeit ist es damit ohnehin vorbei.

Zum Weiterlesen:

Wikileaks?
Wikileaks sollte das Rampenlicht meiden
Fefe wühlt sich auch durch

Seltsam aussehende Menschen

Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD) möchte Blockwarte wieder einführen:

„Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.“

Zum Glück sind wir schon vor zwei Jahren nach Klein-Borstel gezogen, unsere Pixelfreunde von Gegenüber würden nach diesem Aufruf heute wohl gleich zum Telefon greifen – immerhin spreche ich als Österreicher auch eine Fremdsprache.

Doch offenbar zeigt der Aufruf Wirkung: Vor allem aus dem süddeutschen Raum gehen zahlreiche Meldungen ein. Hier werden offenbar seit Jahren schon seltsam aussehende Menschen in fremder Tracht gesichtet, die auf hinterlistige Weise etablierte Dorfgemeinschaften unterwandern. Wahrscheinlich wirkt gerade die Alpenregion vertraut auf diese Menschen – weiß man doch, dass das gebirgige Afghanistan die Brutstätte des Terrors ist…

Seltsam aussehende Menschen

Seltsam aussehende Menschen machen sich im Alpenraum breit